Was ist so schwierig im psychotherapeutischen Prozeß?

Viele sagen: "Ja, Herr Doktor, es wäre schön, wenn ich gesund wäre. Wenn ich keine Zwangsgedanken mehr hätte. Wenn ich keine depressiven Gedanken mehr hätte. Wenn ich frei wäre von Schuldgefühlen." Da sagst Du es schon. Das Schwierige beim Psychotherapeuten ist die Abwehr von Angst, von seelischen und körperlichen Symptomen. Kurz, es sind die Schuldgefühle: Sie verhindern es, daß Du zu Deiner Gesundheit findest. Der Mensch möchte einen Knochenbruch geheilt kriegen. Dafür ist er bereit, sich auf den Tisch zu legen, sich narkotisieren zu lassen und aufschneiden zu lassen. Doch vom Psychotherapeuten? Das ist die größte Schwierigkeit, daß die Schuldgefühle, sprich die Eltern, die Macht über Dich verlieren. Du wirst nur unter größter Angst und unter Symptomen, eben den Schuldgefühlen und ihren Folgen, gesund. Es ist eine große Schwierigkeit für Dich, die große Macht Deiner Eltern Deinem Therapeuten abzugeben. Du sollst eben und willst ein ewiges Kind bleiben, wenn es Dir oder Deinen Eltern gefällt. Ein Stück Einsicht kann der Psychotherapeut vermitteln. Und dann ist aber auch schon Schluß. Oder ist es ein großes Stück Einsicht? Das hängt von der Seele seines Patienten ab. Die meisten Menschen brauchen eine lange Zeit, um zu sich selbst zu finden, um sich ihrer Fehlhaltung bewußt zu werden, je nach Veranlagung und der Größe der seelischen Verletzung.

Manchmal bringt einen eine schwere Krankheit zur inneren Einkehr, ein Unfall schmettert die Abwehr nieder, der Tod oder eine Trennung; ein Alleinsein rüttelt auf oder macht aufmerksam. Der Beispiele gibt es viele, immer läuft der Film mehr oder weniger unbewußt ab. Du weißt nicht, mit wem Du Dich identifizierst, der in Dir die Krankheit auslöst. Den Fluch der Eltern zu durchbrechen, dazu bedarf es erheblicher Gegenkräfte, ja Gewalten. Hauptsache, Du schadest Dir nicht und niemand Anderem.
Reiche keine Scheidung ein. Kämpfe um Dich, Deinen Partner, Deine Ehe. Es ist alles Vorwand, der giftige Zweifel gehört getötet und nicht die Liebe.

 

 

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