Innenansicht über das Auswandern

"Neuseeland ist ein Zufluchtsort für meine Seele. Dort kann ich - verpackt unter dem Wort des 'Work and Travels' - meinem Entwicklungsprozeß aus dem Weg gehen. Dort bin ich nur wenigen Regeln für mein Leben unterlegen. Ich sehe mein Leben in Neuseeland als Auszeit aus dem Alltag nach dem Motto: 'Ich tue was für mich.' Neuseeland ist ein Synonym für den Begriff 'Traumwelt'." So sagt ein 20jähriger Student.
"Meine Erfahrungen in Neuseeland sind als Flucht und als zukunftslos zu bewerten. Die Reise direkt nach dem Abitur dorthin ist ein Verschieben meiner Reifung.
Parallelen zwischen Neuseeland und meiner vergangenen Computersucht fallen mir just in diesem Moment auf. Es handelt sich um eine Flucht aus der realen Welt in eine virtuelle, d.h. nicht relevante Welt, die für meine Entwicklung von sekundärer Bedeutung war."

Ähnlich ist es dem Johann August Suter aus Basel und vielen Anderen ergangen. Statt sich in der Schweiz zu behaupten und seinen Narzißmus in seinem Heimatland, der Schweiz, zu bearbeiten, verläßt Suter Frau und Kinder, um nach Amerika auszuwandern und dort Reichtum zu schaffen. Großzügig ruft er Frau und Kinder über den großen Teich zu sich, doch das Schicksal raubt ihm alles: Familie, Geld, Gut und Glück. Ihm bleibt ein lebenslanger, fruchtloser Justizkampf gegen das erlittene Unrecht – ein Michael Kohlhaas(1). Einen Weg zu sich selbst hat er im Ausland nicht gefunden, weil er nicht wollte.

Literatur

1. Zweig, S.: Sternstunden der Menschheit. Suhrkamp Verlag, Berlin und Frankfurt a.M. (1949), S. 131-139


 

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