Ewig Infantile

Der Ewig Infantile verdreht die Wirklichkeit. Er lügt, er spinnt oder er fängt an, wenn es ihm paßt, die Gesetze zu umgehen. Als Rechtfertigung gilt ihm der Satz von Buddha: "Break the rules well." Ihm mangelt es an innerer und äußerer Ordnung. Das ist die Welt des Infantilen. Er ist beherrscht von Größenvorstellungen. Die Realität einer Partnerschaft, einer festen Ehe in Treue, ein Leben lang, mag er sich nicht vorstellen. Er liebt innerlich seine Mutter sein Leben lang, statt seine Ehefrau. Er bricht die Ehe auseinander im Auftrag der Eltern. Früher hieß das: Er handelt gesteuert von einem Fluch, der auf ihm lastet.

Er hat zwar einen großen Spaß am Leben, er treibt es jedoch auch mal gerne soweit, daß er das Leben verlassen muß. Das kann eine zu schnelle Motorradfahrt sein im Alter von 65 Jahren oder vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leben durch Suchtverhalten infolge Alkohol, Rauchen oder Kokain. Der infantile Kobold, der Clown hat viele Gesichter. Er ist zäh, er klebt an seiner Rolle wie der Teufel am Pech, oft genug kehrt er in Mutters Arme zurück. In diesen stirbt er. So hat Ibsen es bei Peer Gynt beschrieben(1).

Der heutige infantile Mann ist nahezu sämtlicher männlicher Fähigkeiten beraubt. Eine Frau zu erobern, fällt ihm schwer, geschweige denn, sie auf Lebenszeit zu lieben. Er spottet, er guckt gern Kabarett. Sein Erscheinungsbild ist voller Gegensätze. Dennoch erfüllt er mit Konsequenz seinen Auftrag, den Fluch, welchen ihm zumeist seine Mutter oder sein Vater mitgegeben hat: "Du bleibst mein Sohn, meine Tochter, mein Spielzeug. Dein Erwachsenwerden werden wir zu verhindern wissen."

Ein Wesensmerkmal der Infantilen ist, daß sie einander sofort sympathisch sind. Sie verstehen sich gut. Sie haben einander eine Antenne für ihre Nöte und Späße. Eine Gesellschaft, die sich auflöst, dekadent ist, verhält sich oft als Ganzes infantil. Sie vertritt infantile Ideologien und Ziele. Das ist die Welt des Infantilen.


Literatur
1. Ibsen, H.: Peer Gynt. Die Frau vom Meer. Philipp Reclam Jun., Stuttgart (1992)

 

Der Artikel ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Zurück zur Startseite