Das familiäre Leiden

Unter etwas zu leiden hat jede Familie. Die eine mehr, die andere weniger. Es gibt Gebundene, stark oder weniger Abgegrenzte, Gehemmte, Verwahrloste, Täter, Mißbraucher, Opfer, Mitläufer, Helfer, Ausgestoßene oder Revolutionäre - alle gehören als Schicksalsgemeinschaft zueinander. Jeder hat seine Aufgabe und seinen Platz. Alle wissen, daß in dieser Familie etwas nicht stimmt, etwas aus dem Lot geraten ist. Das Dunkle, Unerwähnte mag der im Krieg verschollene Vater sein, eine Psychose der Großmutter, die Scheidung der Eltern, mangelnde Selbstliebe oder ein - erlittener - sexueller Mißbrauch.

Einige versuchen, Licht in ihre Dunkelheit zu bringen. Sie richten ihr Selbst auf - mit Hilfe ihrer Träume, mittels einer Psychotherapie, der Religion, der Philosophen oder der Ideologie. Andere greifen zur Sucht, fliehen zu einer Sekte oder verschanzen sich hinter einer anderen seelischen Fehlhaltung. Nach meiner Erfahrung spielt eine ererbte Einsichtsfähigkeit bei der Beseitigung seelischen Leidens eine erhebliche Rolle, auch die Frage der richtigen Aufklärung mittels der Kultur, des Arztes, der Bücher, der Freunde.

 

 

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